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Jägersitz und Beichtstuhl

von Maximilian Weiger aus Sigmaringen

Gewinner des "Ganz plastisch."-Wettbewerbs


Jägersitz
Jägersitz
Beichtstuhl
Beichtstuhl
 

Maße und Material
153 bzw. 150 cm hoch, 83 bzw. 60 cm breit, 60 bzw. 45 cm tief. Ca. 30 bzw. 25 kg
Toilettenstühle, Pappe, Papier, Kleister, Acryl, Kreide, Metall, Fernglas, Stoffkissen und Fell, div. ausrangierte Elektro-Kleinteile

Der Künstler
Der Künstler war zunächst in der Malwerkstatt der Zieglerschen in Wilhelmsdorf aktiv; sein Doppelobjekt entstand im benachbarten Atelier 33, das er alle zwei Wochen besucht. Maximilian Weiger hat mit seiner Kunst schon an Ausstellungen teilgenommen und Preise gewonnen. Beruflich arbeitet er in der Montageabteilung einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Das Kunstwerk
Jägersitze und Beichtstühle sind wohl längst aus der Zeit gefallen. Doch wer beobachtet und wer rennt, wer gesteht und wer beurteilt, wer warten muss und wer sich bewegen darf, wer reden darf und wer zuhören muss – diese Fragen sind so brennend wie nie, wenn es um Macht und Ausgrenzung geht. Maximilian der Künstler führt indessen schon mal seine kreative Antwort vor: Er baut das Alte auseinander und setzt das, was übrig bleibt, in einen neuen, frischen Zusammenhang.

Die Begründung der Jury
"Jägersitz und Beichtstuhl – zwei Objekte, die jeweils einer völlig anderen Umgebung entstammen: zum einen der freien Wildbahn, zum anderen einem geschlossener Kirchenraum. Zugleich verweisen sie beide auf das Verhältnis zwischen Innerem und Äußerem. Der Jägersitz ermöglicht, aus einem schützenden Gehäuse nach draußen zu schauen, zu kontrollieren und dort einzugreifen. Und im Beichtstuhl lässt sich etwas mitteilen und zu Gehör bringen, was einen im Innersten bewegt hat, wodurch man sich zwar transparent macht und ausliefert, sich aber auch entlasten lassen kann. Beide Objekte verweisen auf eine zentrale Leerstelle: Auf die Abwesenheit der Personen, für die diese Objekte gemacht und gedacht sind. Diese Leere von Jägersitz und Beichtstuhl lädt das Publikum dazu ein, den jeweiligen Platz einzunehmen, sich zu erinnern - sich aber auch den Fragen und Problemen zuzuwenden, die heute hiermit einhergehen und die mit den Machtverhältnissen zu tun haben. Diese Einladung auf so faszinierende Art auszusprechen, macht Jägersitz und Beichtstuhl zu einem ganz besonderen Objekt.
Im Vis-á-vis mit den beiden Objekten spürt man etwas Schwebendes. Jägersitz und Beichtstuhl, beide strahlen mit ihrem rollbaren und eher instabilen Unterbau eine Leichtigkeit und fast schon anrührende Schwerelosigkeit aus. Sie lassen so vermeintlich selbstverständliche Gegebenheiten wie Ausgrenzung und Diskriminierung in ihrer ganzen Fragwürdigkeit deutlich werden und fordern zum kritischen Blick heraus. Zugleich sind diese Leichtigkeit und Schwerelosigkeit für uns aber auch ein Anstoß, einen fast heiteren Vorausblick in die Zukunft wagen. Dezent und ergreifend lässt das Preisträger-Objekt uns ganz sicher nachdenken und vielleicht etwas hoffen. Das ist große Kunst."

Maximilian Weiger
Maximilian Weiger
 

Weitere Infos bzw. Kontakt zum Künstler erhalten Sie bei ines.hurrelbrink@lebenshilfe.de oder angelika.magiros@lebenshilfe.de.

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